OSINT im Anwaltsalltag: Rechtssicher recherchieren und Prozesse strategisch vorbereiten

Background Checks, Asset Tracing, Reputationsanalysen: Was Open Source Intelligence für Kanzleien leisten kann, wie eine Recherche abläuft – und wo die rechtlichen Grenzen verlaufen.

Laptop mit blau leuchtendem Lupensymbol auf dem Bildschirm.

In einer zunehmend digitalen Welt sind Informationen der Schlüssel zu fundierten Entscheidungen – besonders im juristischen Bereich. Als deutsches Sicherheitsunternehmen bietet Sheriff Security GmbH professionelle OSINT-Recherchen (Open Source Intelligence) an, um Anwälten und Kanzleien bei der Mandatsprüfung und Verfahrensvorbereitung wertvolle Hintergrundinformationen bereitzustellen.

Doch was genau steckt hinter OSINT, wie läuft eine solche Recherche ab – und welche Chancen und Grenzen bringt sie mit sich?

Was ist OSINT?

OSINT steht für „Open Source Intelligence“ – also das Sammeln, Auswerten und Interpretieren von öffentlich zugänglichen Informationen aus unterschiedlichsten Quellen.

Dabei wird zwischen strukturierten Daten (wie Handelsregistereinträgen, öffentlichen Datenbanken oder offiziellen Websites) und unstrukturierten Daten (wie Social Media, Forenbeiträgen, Kommentaren oder Medienberichten) unterschieden.

Im Gegensatz zu klassischen Ermittlungsverfahren wird bei OSINT ausschliesslich auf legal zugängliche Informationen zugegriffen – es erfolgt keine Beschaffung durch Täuschung oder unter Umgehung von Schutzmechanismen. Stattdessen werden vorhandene Spuren und Daten intelligent verknüpft, um Muster, Widersprüche oder bisher unbekannte Zusammenhänge aufzudecken.

Professionelle OSINT-Analysen beruhen dabei nicht nur auf technologischen Tools, sondern auch auf methodischer Sorgfalt, rechtlicher Sensibilität und viel Erfahrung in der Interpretation digitaler Kontexte.

Anwendungsbereiche von OSINT für Anwälte

Für Anwälte eröffnet OSINT zahlreiche Möglichkeiten, um sich ein umfassendes Bild von potenziellen Mandanten, Gegenparteien oder Zeugen zu machen:

01
Background Checks Überprüfung der Integrität, Bonität und möglicher Vorstrafen von Personen oder Unternehmen, um Risiken frühzeitig zu erkennen.
02
Asset Tracing Aufspüren und Identifizieren von Vermögenswerten im In- und Ausland, etwa im Rahmen von Zivilverfahren oder bei der Vollstreckung von Ansprüchen.
03
Reputationsanalysen Bewertung des öffentlichen Rufs und möglicher Negativschlagzeilen, die für Compliance-Prüfungen oder die Mandatsannahme relevant sein können.
04
Unterstützung in Verfahren Recherche und Verifizierung von Beweismitteln, Aussagen und Zusammenhängen, die für die Strategie im Zivil- oder Strafprozess entscheidend sein können.

Vertiefte Anwendungsbeispiele für OSINT in der juristischen Praxis

Eine der häufigsten Anfragen, die Sheriff Security aktuell erhält, betrifft sogenannte „Startpunkt-Recherchen“: die gezielte digitale Überprüfung öffentlich zugänglicher Quellen auf Basis minimaler Informationen wie Telefonnummern, E-Mail-Adressen, Namen oder Firmenangaben.

Damit lassen sich digitale Spuren verfolgen, die eine Person oder ein Unternehmen im Internet hinterlassen hat – und daraus lassen sich entscheidende Informationen gewinnen.

Typische OSINT-Analysen für Anwälte umfassen:

  • Identifikation und Verknüpfung von Social-Media-Konten
  • Prüfung auf Datenlecks (gestohlene Kundendatenbanken von Online-Shops, Banken, Hotelketten etc.)
  • Abgleich mit öffentlichen Datenbanken und Registereinträgen
  • Identifikation von wiederverwendeten oder kompromittierten Passwörtern
  • Lokalisierung digitaler Inhalte durch Metadaten (z. B. Geodaten in Bildern zur Alibiprüfung)
  • Aufdeckung von Eigentum und Vermögenswerten (auch über ausländische Register)
  • Erstellung psychografischer Profile (Beziehungen, Gewohnheiten, Verhaltensmuster)
  • Aufspüren möglicher Zeugen über digitale Erwähnungen, Kommentare oder Verbindungen in sozialen Netzwerken
  • Spionageprävention und Analyse der Gegenseite im Prozesskontext

Diese Informationen bieten einen wertvollen strategischen Vorteil – auch wenn sie nicht immer als Beweismittel vor Gericht verwendet werden können.

Der besondere Nutzen für Anwälte – auch jenseits der Beweisführung

Nicht alle im Rahmen einer OSINT-Recherche gewonnenen Informationen sind automatisch vor Gericht zulässig. Dennoch bietet OSINT Anwälten einen entscheidenden Mehrwert:

  • Strategische Vorbereitung: Informationen, die nicht als Beweis zugelassen werden, können dennoch für die Entwicklung der Verhandlungsstrategie oder das gezielte Nachfragen im Mandantengespräch nützlich sein.
  • Identifikation relevanter Personen: Zeugen, Experten oder weitere Beteiligte lassen sich über OSINT identifizieren, deren Aussagen anschliessend gerichtsfest eingebracht werden können.
  • Früherkennung von Risiken und Interessenkonflikten: Reputationsanalysen helfen, potenzielle Probleme zu erkennen – besonders vor Mandatsannahme oder Verhandlungen.
  • Due Diligence bei wirtschaftsrechtlichen Mandaten: Unternehmen, Assets und komplexe Verflechtungen können frühzeitig geprüft werden.
  • Informationsvorsprung für aussergerichtliche Lösungen: OSINT bietet klare Vorteile in Verhandlungen, bei Vergleichen oder im Rahmen aussergerichtlicher Streitbeilegung.

Ablauf einer OSINT-Recherche

Eine professionelle OSINT-Recherche folgt einem klaren, strukturierten Prozess:

01
Definition der Fragestellung Ziele und Fokus werden gemeinsam mit dem Anwalt definiert.
02
Systematische Informationsbeschaffung Recherche in offenen sowie spezialisierten Quellen – von Social Media über Handelsregister bis zu internationalen Datenbanken.
03
Analyse und Bewertung Prüfung der Daten auf Relevanz, Plausibilität und Zusammenhänge.
04
Verifizierung Kritische Informationen werden durch weitere Quellen abgesichert.
05
Dokumentation und Berichterstattung Die Ergebnisse werden strukturiert und nachvollziehbar aufbereitet.

Verwertbarkeit von OSINT-Daten vor Gericht

Im DACH-Raum sind OSINT-Daten grundsätzlich zulässig, sofern sie aus legalen Quellen stammen und keine technischen Schutzmechanismen umgangen wurden. Die Beweiskraft hängt jedoch stark von der Nachvollziehbarkeit und Integrität der Daten ab.

Nicht zulässig sind Informationen, die unter Umgehung von Passwörtern, durch Täuschung oder unter Verletzung von Persönlichkeitsrechten beschafft wurden.

OSINT und Datenschutz (DSG/DSGVO)

Auch öffentlich zugängliche Informationen unterliegen den Bestimmungen des Datenschutzes. Die Verarbeitung muss einem legitimen Zweck dienen und verhältnismässig sein. Besonders sensible Daten benötigen eine klare gesetzliche Grundlage oder ausdrückliche Einwilligung.

Wichtig: Die reine Verfügbarkeit im Internet bedeutet nicht automatisch, dass die Informationen frei genutzt werden dürfen.

Sicherstellung der Integrität von OSINT-Daten

Um OSINT-Daten rechtssicher zu nutzen, sind folgende Massnahmen essenziell:

  • Lückenlose Dokumentation aller Rechercheschritte
  • Transparente Beweiskette und nachvollziehbare Datenverarbeitung
  • Speicherung der Originaldaten (z. B. Screenshots mit Zeitstempel)
  • Einsatz automatisierter Tools mit Prüfsummen und Protokollen
  • Objektive Bewertung: klare Trennung zwischen Fakten und Meinungen
  • Zeitnahe Sicherung, bevor Inhalte verändert oder gelöscht werden
  • IT-Sicherheitsstandards für Speicherung und Verarbeitung

Best Practices

  • Kritische Bewertung der gefundenen Daten
  • Sorgfältige Dokumentation jeder Recherchequelle
  • Zusammenarbeit mit spezialisierten Dienstleistern wie Sheriff Security, um rechtliche und technische Risiken zu minimieren

Fazit

OSINT-Recherchen bieten Anwälten weit mehr als Beweismittel – sie sind ein strategisches Instrument für eine vorausschauende und fundierte Mandatsführung. Sheriff Security liefert dabei nicht nur Daten, sondern verwertbare Erkenntnisse, die vertraulich, strukturiert und rechtlich sauber aufbereitet sind.

Ob bei der Mandatsprüfung, der Beweisfindung oder der Verhandlungsstrategie: Wer den digitalen Fussabdruck kennt, hat die besseren Argumente.

Häufig gestellte Fragen zu OSINT

Sind OSINT-Daten immer legal verwendbar?

Nicht automatisch. OSINT-Daten dürfen nur aus öffentlich zugänglichen Quellen stammen, ohne Zugangsbeschränkungen zu umgehen. Auch öffentlich zugängliche Informationen unterliegen dem Datenschutzrecht und müssen rechtmässig verarbeitet werden.

Können OSINT-Ergebnisse vor Gericht als Beweismittel genutzt werden?

Grundsätzlich ja – unter Einhaltung rechtlicher Rahmenbedingungen. Damit OSINT-Ergebnisse als Beweismittel vor Gericht verwendet werden können, müssen sie aus legalen, öffentlich zugänglichen Quellen stammen und dürfen keine Zugangsbeschränkungen (wie Passwörter oder geschlossene Gruppen) umgehen. Die Beweiskraft hängt dabei stark von der lückenlosen Dokumentation, der technischen Nachvollziehbarkeit (z. B. Zeitstempel, Quellensicherung) sowie der Unveränderbarkeit der Daten ab. Auch die Unterscheidung zwischen Tatsachen und Meinungen ist entscheidend, um eine objektive Bewertung zu ermöglichen. In vielen Fällen dienen OSINT-Daten weniger als direkt verwertbares Beweismittel, sondern vielmehr zur strategischen Vorbereitung, Hinweisgewinnung oder zur Stützung anderer Beweismittel. Richtig dokumentiert und abgesichert können sie aber sehr wohl in gerichtliche Auseinandersetzungen eingebracht werden – insbesondere, wenn sie z. B. durch Screenshots, digitale Fingerprints (Hashes) oder Protokolle ergänzt wurden.

Was unterscheidet eine professionelle OSINT-Recherche von einer einfachen Google-Suche?

Professionelle OSINT-Recherchen folgen einem strukturierten, mehrstufigen Vorgehen, nutzen spezialisierte Tools, internationale Register und forensische Methoden. Zudem werden die Ergebnisse analysiert, verifiziert und rechtssicher dokumentiert.

Wie lange dauert eine OSINT-Recherche in der Regel?

Das hängt von Umfang und Fragestellung ab. Erste Ergebnisse liegen oft innerhalb von 24 bis 72 Stunden vor. Bei komplexeren Mandaten kann die Recherche einige Tage bis wenige Wochen in Anspruch nehmen.

Welche Informationen dürfen über Personen gesammelt werden?

Nur solche, die aus offenen Quellen stammen und einem legitimen Zweck dienen. Besonders schützenswerte Daten (z. B. Gesundheitsdaten) erfordern eine spezielle rechtliche Grundlage oder ausdrückliche Einwilligung.

Wann lohnt sich der Einsatz von OSINT für eine Anwaltskanzlei besonders?

Vor allem bei Mandatsprüfungen, Zivil- und Strafverfahren, Asset Tracing, Compliance-Themen, Due-Diligence-Prozessen oder wenn ein Informationsvorsprung strategisch genutzt werden soll.

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